Herbst und Winter –
eine wunderbare Zeit für Outdoor-Aktivitäten im Périgord, aber …

 

… das herbstliche Idyll wird ab September bis März leider oft von Schüssen durchbrochen. Insbesondere sonntags schultern die Jäger gerne ihre Flinten und ziehen durch Feld und Wald. Das Périgord gehört zu den waldreichsten Gebieten Frankreichs. Entsprechend groß sind hier auch die Wildbestände.

Die Jagd im Périgord und in Frankreich dient jedoch nicht nur der Regulierung der Wildbestände. Vielmehr wird sie als Kulturgut und als Büergerrecht verstanden und ausgeübt und liefert viel Zündstoff für hitzige Diskussionen zwischen Jägern und Erholungssuchenden und Natur- und Tierschützern.

Obwohl die Quote der Jagdunfälle rückläufig ist, enden derzeit noch stets etwa 18 Jagdunfälle pro Jahr in Frankreich tödlich. 10 % der tödlich Verunglückten sind Nicht-Jäger.

Als Nicht-Jäger läuft man anscheinend nicht nur auf freier Flur oder im Wald Gefahr, von einer verirrten Kugel aus einem Jagdgewehr getroffen zu werden. Auch im Auto schein man sich seines Lebens nicht immer ganz sicher zu sein, wie ein kürzlicher Jagdunfall in Nordfrankreich zeigt: Dabei wurde ein Autofahrer in seinem Wagen angeschossen und lebensgefährlich verletzt.

Fakten zur Jagd in der Dordogne

  • 16.700 Jäger und 387 Jägerinnen sind derzeit (2021) in der Dordogne aktiv, das sind 8.000 weniger als noch vor 10 Jahren.
  • Jäger:innen sind im Schnitt zwischen 44 und 57 Jahre alt.
  • 99 % der Wälder in der Dordogne befinden sich in Privatbesitz. Landeigentümer dürfen auf ihrem Land jagen und können ihr Jagdrecht an Dritte übertragen.
  • Es gibt in der Dordogne 1.350 Jagdvereine
  • Derzeit (2021) enden im Durchschnitt 18 Jagdunfälle pro Jahr in Frankreich (also nicht im Périgord alleine!) tödlich. 10 % der Todesopfer sind Nicht-Jäger.

Vorsichtsmaßnahmen zum Schutz vor Jagdunfällen

Vorsicht ist während der Jagdzeit immer geboten. Achte auf Hinweisschilder und führe deinen Hund auf Spaziergängen an der Leine, wenn in der Nähe geschossen wird und er nicht schussfest ist.

Ich ziehe mir immer eine Warnweste an. Die gibt es übrigens auch für Hunde und du kannst ihm zusätzlich ein Glöckchen ans Halsband binden, damit dein Vierbeiner aus der Ferne sicht- und hörbar ist.

TIPP

Bist du mit dem Fahrrad unterwegs? Auch dann ist eine Warnweste sinnvoll und mache dich mit deiner Fahrradklingel lautstark bemerkbar und klingle lieber einmal zu viel, als zu wenig! .

Persönliche Erfahrungen während der Jagdzeit

Grundsätzlich hatten wir mit „offiziellen“ Jägern bisher keine schlechten Erfahrungen. Da wird meist ein Hinweisschild aufgestellt und die Jäger mit ihren Hunden sind aus der Ferne gut zu hören und zu sehen.

Mit „unsichtbaren“ Schützen hatte ich dahingegen mehrmals Erfahrungen, die meinen Puls ziemlich beschleunigten!

Ich war gerade so schön in Fahrt mit meinem Rad, als sich dicke Tropfen aus den schweren Wolken lösten. Schnell hielt ich hinter einer baumgeschützten Kuppe an, um mir meine Regenhose überzustreifen – Päng! Scharf durchschnitt ein Schuss in unmittelbarer Nähe die Luft. Mein Herz machte einen Sprung und das Adrenalin durchflutete meinen Körper. Ich brüllte ich in die Stille hinein: „Aufhören mit Schießen, ich bin hier mit meinem Rad unterwegs!“. Laut klingelnd und in rekordverdächtigem Tempo verfolgte ich meinen Weg. Ein zerbeulter Peugeot stand auf einem Feldweg in der Nähe, den Schützen habe ich nicht gesehen.

Ein andermal war ich mit einer Freundin mit dem Rad unterwegs. Wir unterhielten, als plötzlich kurz vor uns ein aufgeschrecktes Reh die Straße überquerte. Das Tier hatte kaum die andere Straßenseite erreicht, als Schüsse krachten. Hätten wir etwas kräftiger in die Pedale getreten, hätten wir wohl genau die Schusslinie durchkreuzt! Wir klingelten mit unseren Fahrradglocken was das Zeug hielt und schrien gleichzeitig los, um den Schützen auf uns aufmerksam zu machen. Mit pochendem Herzen und ungemein erleichtert erreichten wir kurz darauf ein offenes Feld – ein Schütze war jedoch weit und breit nirgends zu sehen.

Sonntags während der Jagdsaison lieber nicht in den Wald

Ich muss ganz ehrlich eingestehen, dass wir sonntags Wälder lieber meiden. Wie dies im übrigen auch viele Franzosen tun.
Im Herbst und Winter suchen wir uns sonntags Wanderungen oder Radtouren aus, die vorwiegend durch offenes Gelände führen. Am liebsten gehen wir sonntags zur Mittagszeit nach draußen: da verspeist der Jagende nämlich lieber sein geliebtes Sonntagsmahl und wird viel weniger geschossen, als etwa morgens oder nachmittags.
Ein 100 % schussfreier Sonntag ist auch so nicht immer garantiert, aber das Risiko auf verirrte Kugeln ist dennoch beruhigend viel kleiner!

Weiterführende Informationen auf Deutsch zur Jagd in Frankreich: