Eine Nostalgietour durch das frühe 20. Jahrhundert

Die Sonnenstrahlen tanzen wie Lichtdiamanten über der Wasseroberfläche der Dordogne. An ihrem Ufer steht ein ehemaliges Zementwerk. Liebevoll und in harter Knochenarbeit umgewandelt in eine Zeitmaschine, die mich in die Zeit von 1900 bis 1940 versetzt.

Beschwingte 20iger-Jahre Jazzmusik erfüllt den Bistro-Raum und Eingangsbereich. Über das Kopfsteinpflaster gelange ich zur Bar aus Holz und werde freundlich von Christelle begrüßt. Einst Lastwagen-Fernfahrerin, heute Museumsbetreiberin mit Herz und Seele. Sie versprüht herzliche Gastfreundschaft und es fühlt sich an, als ob ich bei guten Bekannten zu Besuch wäre.

Von Christelle habe ich einen Fragebogen erhalten, auf dem ich zeitfremde Gegenstände in den Geschäften des frühen 20. Jahrhunderts notieren soll. Mit einem leichten Miss Marple-Feeling biege ich in die erste Straße links ein. In einer zeitgerechten Garage stehen schöne Oldtimer plus ein aus der Zeit gefallenes Objekt: neuzeitliche Handschuhe! Ich vermerke diese auf meinem Fragebogen und schlendere weiter durch die Zeit.

Läden und Handwerksstätten reihen sich im charmanten Zeitgeist der 1900 bis 1940er- Jahre aneinander. Ich schaue dem Bäcker über die Schulter, wie er sein Brot in den Ofen schiebt und entdecke beim Uhrenmacher eine Swatch: ein weiteres Objekt für meinen Ermittlerzettel.

Knapp bestanden!

Zurück an der Bar wertet Christelle meinen Fragebogen aus. Oje! Nur gerade 22,5 von 30 möglichen Punkten habe ich bei meinen Ermittlungen nach zeitfremden Objekten erreicht. Dennoch stellt mir Christelle mit Feder und Tinte in hübsch geschwungener Schrift ein Zertifikat für den bestandenen Grundschulunterricht der ‘Academie du Musée’ aus😊

Weil ich dem nostalgischen Zeitgeist noch nicht entspringen mag, trinke ich noch einen petit café im Bistrot, während Flip Christelle ein ‘High Five’ gibt 😊

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Christelle und Michel mit Flip

Ein ehemaliges Zementwerk wird zur nostalgischen Zeitmaschine: die Geschichte des Musée La Rue du Temps qui passe

Vater Michel beginnt im Alter von 7 Jahren auf dem Schulweg mit dem Sammeln von Objekten. Seine erste Trophäe ist der Rahmen einer Silberuhr. Ein wertvoller Fund, denn in jener Zeit herrschte in Frankreich auf dem Land Armut und Menschen besaßen kaum etwas.

Das Leben des gelernten Automechanikers Michel bleibt von seiner Sammelleidenschaft geprägt.
Als er Räume des ehemaligen Zementwerks mietet, bringt er dort gleich zwei Leidenschaften unter: Oldtimer und sein riesiges Sammelsurium an nostalgischen Objekten. Seine Tochter Christelle trägt die Idee für das Museum an.

In harter Knochenarbeit wandeln Vater und Tochter die kahlen Hallen in charmante Straßen der frühen 1900er-Jahre um Sie erledigen alle Arbeiten selbst und schaffen tonnenweise Kopfsteinpflastersteine aus der Auvergne hierher. Die beiden zimmern, streichen und dekorieren.

9 Jahre später und mit finanzieller Unterstützung, die sie über die Ulule-Plattform gewinnen, öffnet das Nostalgiemuseum in der Dordogne seine Türen. Auf 1.000 m2 erwartet Besucher:innen eine spannende und äußerst charmante Zeitreise.

Leidenschaft, Herzblut und viel Liebe steckt in diesem besonderen Museum und in jedem einzelnen Objekt und das spürt man!

Konakt Museum La Rue du Temps qui passe:

Sandrou, 24220 Allas-les-Mines

Telefonnummer: +33 (0)5 53 28 27 82
E-Mail: laruedutempsquipasse@gmail.com
Website: www.laruedutempsquipasse.fr

Erreichbarkeit: nur mit eigenen Verkehrsmitteln
Anfahrt:
30 Minuten ab Sarlat
30 Minuten von Le Bugue
5 Minuten von Saint-Cyprien
1 Stunde von Bergerac

Kontakt Museum La rue du Temps qui passe