Entdecke die gemütliche Altstadt von Bergerac im Dezember. Begleite mich auf einen geführten Rundgang durch die historischen Gassen und zum Weihnachtsmarkt.

Dichte Nebelschwaden hüllen Bergerac an diesem Samstagmorgen Mitte Dezember in wattiges Weiß. Ich bin auf dem Weg zum Quai Cyrano, wo sich das Office du Tourisme befindet. Hier begebe ich mich in den Schlepptau einer charmanten Fremdenführerin zu einer «Balade Gourmande»: einem Rundgang, auf dem Historisches mit ab und an einem kleinen Gaumenschmaus kombiniert wird.

Im ersten Stock des Quai Cyrano werden mehr als 160 verschiedene Weine von Winzern aus der Region zum Verkosten und Kauf angeboten (gleicher Preis wie direkt beim Winzer). Für eine Weinverkostung ist es mir um halb elf morgens jedoch noch etwas zu früh, deshalb entscheide ich mich für Traubensaft. Auch sehr lecker!
weinverkostung-quai-cyrano
Inzwischen stehen wir auf der großen Aussichtsterrasse des Quai Cyrano. Der schöne Blick auf die Dordogne und die Brücke ist leider immer noch ziemlich vernebelt, was bestimmt nicht an meinem Traubensaft liegt 😉
bruecke-bergerac-im-nebel

Die Dordogne als Handelsweg im Mittelalter

Die Ursprünge von Bergerac reichen in die gallorömische Zeit zurück. Damals befand sich eine Siedlung am heutigen Standort des «Marché Couvent» (überdeckter Markt). Um 1400 wurde eine befestigte Burg errichtet. Diese bot dem ersten Grafen des Périgord Schutz, der von hier aus das Zepter über den gesamten Süden des Périgords schwang.
Um die Burg herum entwickelte sich schnell ein geschäftiger Handelsort, der von Handwerkern, Händlern und Pilgern bevölkert wurde. Auf der Dordogne brachten «Gabarren» (hölzerne Flachbodenschiffe) die Erzeugnisse des Périgords in Richtung Libourne und Bordeaux. Insbesondere Holz, Wein und Walnüsse waren beliebte Produkte. Wobei das Walnussöl damals sowohl als Speise- als auch als Lampenöl genutzt wurde. Im Gegenzug fanden hauptsächlich Salz und gepökelter Fisch ihren Weg in Richtung Périgord.
Hafen von Bergerac in den 1920er Jahren
Ein Foto aus 1922 zeigt die Betriebsamkeit am Hafen von Bergerac

Ist das Departement Dordogne identisch mit dem Périgord?

Nach der französischen Revolution 1789 wurden die administrativen Departements Frankreichs gegründet und die damalige Region Périgord wurde nach dem Fluss, der die Region durchquert, in Dordogne umbenannt. Das Gebiet ist jedoch geografisch nahezu mit dem des alten Périgord identisch.
Kreuzgang des ehemaligen Rekollekten-Klosters in Bergerac
Le Cloître des Récollets – Kreuzgang des ehemaligen Rekollekten-Klosters
Während wir im Kreuzgang des ehemaligen Rekollekten-Klosters stehen, auf dessen Überreste das heutige Quai de Cyrano erbaut wurde, erläutert mir die Fremdenführerin die zwei wichtigsten Epochen aus der Geschichte von Bergerac.

Englisch-französisches Tauziehen und Religionskriege

Während des 100jährigen Krieges (1337 bis 1453) zwischen England und Frankreich wechselte Bergerac sieben bis acht Mal zwischen der englischen und französischen Vorherrschaft.
Während in Sarlat und Périgueux der Katholizismus die Oberhand behielt, wurde Bergerac im 15. Jahrhundert zu einer Hochburg des Protestantismus. Dies schaffte unter anderem ein starkes Band mit den Niederlanden und England, wo der Wein aus dem Périgord guten Absatz fand.
place-de-la-myrpe-bergerac

Einstige Hafenspelunken und dichtgedrängte Wohnhäuser am heutigen Place de la Myrpe

Einst drängten sich auf dem heutigen Platz eng aneinandergeschmiegt Wohnhäuser und vergnügten sich hier in schummrigen Spelunken Hafenarbeiter und Reisende.
In den 1990er Jahren wurde der heutige Platz de la Myrpe neugestaltet und die umringenden Häuser wurden sorgfältig restauriert.
Inzwischen ist es Zeit für meinen zweiten Gaumenschmaus: ein Stück köstliche «Tarte aux Noix» in einer winzigen Bäckerei um die Ecke: Délicieux! Gestärkt geht es danach weiter zurück ins Mittelalter.

Ehemaliges Gerberviertel außerhalb der Stadtmauern

ehemaliges-gerber-viertel-bergerac
Der «Place Pelissière» heute und in den 1960er Jahren– im Mittelalter befand sich hier das Gerberviertel
Hier am «Place Pelissière» befand sich das einstige Gerberviertel. «Pelissier» ist das alte französische Wort für «tanneur» (Gerber). Damals durchlöcherten die beissenden Gerüche der Ledergerberei die Luft und lebten Menschen hier in erbärmlichen hygienischen Verhältnissen.
Das Gerberviertel befand sich lange Zeit außerhalb der Festungsmauer von Bergerac, die entlang der heutigen «Rue de Conférence» verlief, und wurde erst später in die Stadt miteinbezogen.
Wir schlendern weiter die Altstadt hinauf bis zum Chocolatier Rody, einem lokalen Schokoladenproduzenten mit Niederlassungen in Toulouse und Bergerac. Ich koste weiße Schokolade mit Himbeeren – sehr lecker 😋
chocolatier-rody-bergerac

Samstags- und Mittwochsmarkt in Bergerac

Jeweils mittwoch- und samstagvormittags findet in Bergerac rund um die katholische Notre Dame-Kirche der Markt mit Produkten von Erzeugern aus der Region statt. Aber auch Kleider, Taschen, Seifen und andere Produkte werden zum Kauf angeboten.
Wir machen noch gemeinsam Halt bei einem lokalen Ziegenkäseproduzenten (der Käse schmeckt ganz ausgezeichnet, auch wenn ich den kräftigen Geschmack dieses Käses lieber etwas später am Tag mag, oder abends, zu einem guten Glas Wein 😉). Unsere letzte kulinarische Station auf diesem geführten Rundgang ist ein Foie Gras-Produzent.
Samstags und Mittwochs Markt in Bergerac
Samstags und Mittwochs jeweils vormittags ist rund um bei der Notre Dame-Kirche in Bergerac Markt

Weihnachtsmarkt in Bergerac

Der Weihnachtsmarkt in Bergerac findet jedes Jahr ab der zweiten Dezemberwoche bis Ende Jahr statt. An 30 Ständen werden handgefertige Produkte und Schlemmereien wie Crêpes, heiße Maroni und Glühwein angeboten.
Weihnachtsmarkt in Bergerac 2023
«Joyeuses fêtes et une bonne année 2024» für dich aus Bergerac!
Weihnachtsdeko Bergerac