Last updated on Dezember 9th, 2025 at 07:58 a.m.
Neuanfang im Périgord mit handgefertigtem Steinzeug und Holzofenbrot
Camille hat mit ihrem Mann und ihren vier Kindern (im Alter von 3 bis 16 Jahre) hier in der Dordogne einen Neustart gemacht. Das Paar hatte zuletzt gut bezahlte Jobs in Toulouse. Doch sie wünschten sich ein anderes Leben: Mehr Freiheit und Eigenbestimmung, näher bei der Natur und einen anderen Lebensrhythmus.
Camille am Eingang zu ihrer Backstube, die auch als Ausstellungs- und Verkaufsraum für ihre Keramik dient
Umschulung zur Keramistin und Bäckerin
Fröhlich stiefelt mir Camille an diesem Freitagnachmittag im November in ihrem blauen Arbeitsoverall entgegen. «Bonjour, bienvenue!», begrüßt sie mich freundlich.
Schwer und erdig hängt die Feuchtigkeit der niederschlagsreichen Wochen in der Luft. Die massive Holztür am ehemaligen Stall gewährt uns krächzend Eintritt in das Keramikatelier von Camille. Ich fröstle, «hätte ich mich doch etwas wärmer angezogen!», verwünsche ich meine Kleiderwahl.
«Mein Winter-Arbeitsoutfit!», erläutert Camille lachend auf meinen fragenden Blick auf den plüschigen Ganzkörperanzug im hinteren Teil des Raumes. «Und wenn’s wirklich kalt wird knete ich einfach die Tonmasse etwas länger und kräftiger durch».
In 1,5 Stunden Handarbeit zu einem fertigen Tonkrug
Camille knetet die Masse für einen Tonkrug
Von einem dunkelgrauen Klumpen Ton trennt Camille mit einem Draht 1,6 Kilogramm ab, die sie danach mit geübten, kräftigen Zügen knetet. «1,6 Kilogramm Ton entspricht der Menge für einen Krug», erläutert sie, und setzt sich an die Töpferscheibe.
In nur 15 Minuten entsteht ein formschöner Tonkrug. «Das ist jedoch nur ein kleiner Teil des Arbeitsprozesses», wie mir Camille erklärt. «Insgesamt beträgt die Arbeitszeit für einen handgefertigten Tonkrug etwa 1,5 Stunden.»
Camille an der Töpferscheibe
Als nächstes wandert der frisch geformte Krug zum Trocknen auf eine Gipsplatte. Diese entzieht der Tonmasse gemeinsam mit der Luft die Feuchtigkeit. Im Sommer dauert die Trocknung manchmal nur einen Tag, während es im Winter wegen der kühlen und von Feuchtigkeit gesättigten Luft durchaus 1 bis 2 Wochen dauern kann!
Das Steinzeug wird bei 1.300 Grad gebrannt
Inzwischen stehen wir vor dem runden Gerät, das ich auf den ersten Blick nicht als Brennofen identifiziert hätte. In seinem Bauch befindet sich mehrlagig gestapeltes Steinzeug, das bei 1.300 Grad gebrannt wird. Nach dem ersten Brennvorgang wird das Keramikgut in Emaille getunkt oder Camille trägt die Emaille mit einem Pinsel auf, je nachdem, welche farblichen Effekten sie erzielen möchte. Danach folgt ein zweiter Brennvorgang.
Camille arbeitet mit Tonmasse aus dem Burgund, ohne chemische Zusätze, denn sie möchte ihr Steinzeug genau wie ihr Bio-Holzofenbrot so umweltschonend und natürlich wie möglich produzieren.
Romantische Bauernwohnküche wie aus einer anderen Zeit
Wir verlassen ihr unbeheiztes Atelier und gelangen über den Haupteingang des Bauernhofs in die rustikale Küche. Der heimelige Geruch von Holzfeuer steigt mir in die Nase. Über dem Eingang schnarcht Gaston mit seinem Kater an der Wand. Wie gemütlich es hier ist!
Backstube und Ausstellungs- und Verkaufsraum
Backstube und Ausstellungs- und Verkaufsraum von «Terre et Farine »
Von der geräumigen Wohnküche geht’s nebenan in die Backstube, die zugleich als Ausstellungs- und Verkaufsraum für die Keramikware dient.
Hier fertigt Camille montags und donnerstags ihr Holzofenbrot mit der Hand. Bis zu 100 Stück am Tag! Sie beginnt um 5 Uhr morgens und hat um 20 Uhr, nachdem die Kunden ihre Backstube verlassen haben, Feierabend.
Links der neue Holzbackofen und rechts der ursprüngliche Brotofen (nicht mehr gebrauchstüchtig)
Harte, aber befriedigende Arbeit in Eigenregie
«Es ist körperlich anspruchsvoll, aber erfüllt mich mit großer Freude, jeden Tag aufs Neue, weil ich etwas Sinnvolles tue und naturnahe Alltagsprodukte erschaffe, die den Gaumen und das Auge gleichermaßen verwöhnen!». Camilles Augen strahlen wie die eines Kindes vor der Bescherung. Camille folgt ihrem Herzen und hat sich ihr Leben gemeinsam mit ihrer Familie so eingerichtet, wie sie es sich erträumt hat.
Keramikprodukte («Terre») und Biomehl («Farine») aus der Umgebung für das Brot: «Terre et Farine»
Praktische Informationen
Wo kann ich die Produkte von «Terre et Farine» kaufen?
Du kannst die Keramikprodukte von «Terre et Farine» in der Boutique D’en Face in Bergerac oder montags und donnerstags zwischen 16.30 und 19.30 Uhr im Ausstellungs- und Verkaufsraum von «Terre et Farine » in Saint-Sauveur bei Bergerac. Das Holzofenbrot kannst du gegen Vorbestellung ebenfalls zu den gleichen Zeiten in Saint-Sauveur kaufen.
Kontaktinformationen «Terre et Farine »
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