Last updated on September 15th, 2023 at 07:15 a.m.
Vide Grenier; ein Begriff, der uns Frankreich-Enthusiasten das Herz höherschlagen lässt
Ein Gastartikel von Jürgen FriedrichEin „Vide Grenier“ (Flohmarkt/Trödelmarkt; wörtlich: „Dachboden leeren“) oder ein Garagenverkauf in den verschiedenen Regionen ist immer ein Besuch, ein Kaufen, ein Verweilen inmitten französischen Lebens. Ich erinnere mich auch an die besten Crêpes meines Lebens, die ich auf einem Vide Grenier gegessen habe. Die Pfanne wurde vorher mit einer in Olivenöl getauchten, halbierten Kartoffel eingerieben.
Flohmarkt-Termine gehören zur Urlaubsplanung
Für unseren Urlaub im Périgord waren die entsprechenden Flohmarkt-Termine schon vorher recherchiert; was wären wir ohne Internet….. Am Samstag (10.9.2022) begann das Vergnügen in Le Bugue. Am Ufer der Vézère, unter zahlreichen, schattenspendenden Bäumen, waren die Stände aufgebaut.
Die Musikgruppe meiner Jugend kennt hier keiner
Mein Objekt der Begierde war eine Single von SLADE: DIE Musik-Gruppe meiner Jugend. Mit launigen Worten wollte man mir die Vorzüge dieses “hervorragenden” Artikels anpreisen; (von mir gibts die Note des Zustandes: 3+). Und auf Nachfrage, ob die Gruppe bekannt wäre, hörte ich ein verschämtes: “Non”. Diese Argumente führten letztendlich zum Verkaufs-Preis von 2€; eine klassische Win-Win Situation.
Sehr herzlich war auch der Moment, als drei Damen die 50-er Jahre Negligés aus Privatbesitz begutachteten.
Das Buvette der Organisatoren war noch nicht im Betrieb, einen kleinen Kaffee gab‘s trotzdem.
Flohmarkt-Marathon
Sonntag, 12.9. war dann unser Flohmarkt-Marathon. Er begann in Pontours; ein kleiner, feiner Markt mit vollbepackten Ständen. Es war aber auch das Treffen von Freunden und Bekannten: eine Gewinnmaximierung war bestimmt nicht das vorderste Ziel. Bei uns zuhause ist ja bei derartigen Märkten ganz der sportliche Look (Jogging-Hose bei Mann und Frau) vorherrschend; im Périgord wird sich sonntäglich schick angezogen….
Quasi nebenan, in Badefols war das Angebot schon größer; hier waren auch die ersten Brocanteurs mit ihren “Antiquitäten” anzutreffen. Aber was soll ich mit einer Hummer-Reuse zuhause? Dann doch lieber 3 Landkarten von Michelin (das sind die Besten) für 2 €.
Vide Grenier in Vitrac
Höhepunkt war der Vide Grenier in Vitrac; am Ortseingang waren extra auf Feldern die Parkplätze für die (zahlreichen) Besucher angelegt. Rund um die Mairie wechselten sich die Brocanteurs mit den Privat-Händlern ab. Das Buvette war schon geöffnet, wir haben uns erstmals mit Kaffee und Croissants gestärkt.
Für 3 € gab‘s am Nachbarstand eine wunderbare Keramik-Platte aus den 50er-Jahren in Form einer Farbpalette, unsere Gäste zuhause bekommen damit leckere Entrées serviert.
„Mit einer Frau in Hemd zu schlafen ist wie eine Orange essen ohne sie zu schälen“
Im Nachhinein ärgere ich mich, dass ich nicht noch den frivolen Spruch-Teller dazugekauft habe (“Faire l‘amour avec une femme en chemise c‘est comme manger un orange sans l‘éplucher”). Bei der versuchten Erklärung der Verkäuferin hatten die Nachbarstände sogar Spaß in den Backen.
Meine Herzallerliebste bekam für 8 € ein Paar winzig kleine Damenpumps aus den 40-er Jahren. Voller Stolz erklärte sie, dass diese Schuhe einen Ehrenplatz in ihrer Sammlung von Hüten und Handtaschen aus dieser Zeit bekommen.
Es war einfach schön. Und zum Abschluss gönnten wir uns leckere Sandwiches mit einer doppelten Portion Merguez – Bon appétit!

Ich finde es toll, wie lebendig und authentisch ein Besuch auf einem französischen Flohmarkt ist. Die Erinnerungen an die besten Crêpes und die Atmosphäre des Vide Greniers machen Lust darauf, selbst einen zu besuchen. Es ist interessant zu sehen, wie Flohmarkt-Termine sogar in die Urlaubsplanung einbezogen werden.
Die Begegnungen mit den Verkäufern und das Entdecken von besonderen Schätzen wie der SLADE Single oder den 50er-Jahre Negligés verleihen dem Erlebnis eine persönliche Note. Es scheint, dass der Flohmarkt-Marathon ein abwechslungsreiches und unterhaltsames Erlebnis war, bei dem neben dem Stöbern nach Schätzen auch Zeit für Kaffee, Croissants und leckeres Essen blieb. Insgesamt klingt es nach einer bereichernden Erfahrung.
Hallo und guten Tag aus dem herbstlich-sonnigen Frechen. Dein neuer Newsletter ist für uns diesmal wie eine Erinnerung an 2 schöne Wochen im Perigord. Du schreibst über Orte, die wir auch entdeckt haben, dazu kommen Informationen, die für uns neu sind….einfach klasse.
Und den Flohmarkt-Artikel lese ich sehr gerne noch ein paar Mal……
ich bin ja leidenschaftlicher Petanque-Spieler, wie wäre es mal mit einem Bericht über die „örtliche Szene“ ?
mit vielen lieben Grüßen Angela&Jürgen