Leben in Frankreich: Hier erfährst du 10 typische Dinge aus dem Leben im Périgord, von charmant bis gewöhnungsbedürftig
- Wochenmarkt – Lokal einkaufen mit einer starken sozialen Komponente
- «La bonne bouffe»: (Fast) alles dreht sich ums Essen
- Die Jagd
- Gemeinschaftssinn und Veranstaltungen
- Direkt bei lokalen Produzenten und (Kunst-)Handwerkern einkaufen
- Nachbarschaft
- Saisonale Unterschiede
- Fortbewegungsmittel im Périgord
- Holz als Wärmequelle
- Stromversorgung
Wochenmarkt – Lokal einkaufen mit einer starken sozialen Komponente
Einen Wochenmarkt gibt es nahezu in jedem Ort und das meist bereits seit dem Mittelalter an jeweils dem gleichen Wochentag – Sommer und Winter.
Denn viele lokale Produzenten und (Kunst-)Handwerker sind auf die wöchentlichen Märkte als Verkaufsort ihrer Erzeugnisse angewiesen. Manche fahren bis zu 50 km und mehr, um auf einen Wochenmarkt zu gelangen und stehen 4 bis 5 Mal die Woche auf verschiedenen Märkten der Region.
Während die Märkte im Périgord im Sommer auch stets Touristenmagnete sind, verwandeln sie sich im Winter in lokale Treffpunkte. Das bedeutet auch, dass die Märkte im Winter deutlich kleiner sind als im Sommer. Was aber nicht heißt, dass Märkte außerhalb der Saison (von November bis März) weniger charmant sind – ganz im Gegenteil!
Bei einem Marktbesuch außerhalb der Saison kannst du das lokale Leben besonders gut beobachten. Denn der wöchentliche Marktbesuch hat auch immer eine starke soziale Komponente: man trifft sich und nimmt sich Zeit für einen Schwatz oder eine Tasse Kaffee.
«La bonne bouffe»: (Fast) alles dreht sich ums Essen
Gesprächsthema Nummer 1 ist «la bonne bouffe» – das gute Essen! Man tauscht sich gerne über Rezepte und die persönlichen Kochkünste aus.
Insbesondere die Zubereitung von Fleisch und Geflügel ist beliebt. Letzte Woche haben uns die Nachbarn als «kleines Dankeschön» für die Einladung zum Dîner mit selbstgemachter Foie Gras beschenkt.
Dieselben Nachbarn stellen sich dann auch 2 bis 3 Tage gemeinsam in die Küche um Stücke Wild, das sie von Bekannten erhalten haben, weiterzuverarbeiten. Anschließend findet oft ein Festschmaus statt und wird das Fleisch unter Freunden und Familie verteilt.
Neben Fleisch und Geflügel ist das Périgord auch bekannt für seinen schwarzen Périgord-Trüffel, den Kaviar de Neuvic , Walnüsse und Erdbeeren.
Typische Gerichte des Périgord findest du auch in den häufig gestellten Fragen zum Périgord.
Die Jagd
An einem Sonntagvormittag im Herbst oder Winter können schon einmal Schüsse das ländliche Idyll im Périgord zerreissen. Denn Sonntag ist traditionell Jagdtag.
Früh trifft sich, wer dem Wild auf den Pelz oder die Federn rücken will.
Manchmal warnen Schilder am Straßenrand, wenn eine größere Jagd in der Umgebung stattfindet. Meist zeugen jedoch nur die am Waldrand oder auf Feldwegen geparkten Autos von den Jagdaktivitäten.
Wir bevorzugen sonntags offenes Gelände oder Wege entlang der Dordogne zum Spazierengehen oder Wandern. Auf jeden Fall Gelände, das übersichtlich ist und ich trage meist eine gelbe Warnweste.
Die Wildbestände vergrößern sich und insbesondere die Wildschweine verursachen immense Schäden. Über 23.000 Wildschweine wurden im Périgord letztes Jahr erlegt, dennoch haben sich die Bestände in den letzten 20 Jahren verdoppelt.
Insgesamt zählt das Périgord derzeit knapp 16.000 Jäger:innen.
Gemeinschaftssinn und Veranstaltungen
Unser kleines Bastide-Städtchen Eymet mit seinen 2.600 Einwohnern zählt 64 Vereine.
Man kann hier gemeinsam basteln, wandern, malen, die Sprachen lernen, gärtnern, Yoga oder QiGong ausüben, Sport machen, Veranstaltungen organisieren und vieles mehr.
Die Möglichkeiten im lokalen Vereinsleben sind sehr vielseitig. So findet sich immer eine Gelegenheit, für gemeinschaftliche Aktivitäten und gemütliches Beisammensein.
Viele kulturelle Veranstaltungen vor Ort werden von Vereinen getragen und ermöglicht. Von zweiwöchentlichen Jazzkonzerten im Winter in einem Burgsaal bis hin zu einem groß angelegten Austernschmaus mit Weisswein im August und vom monatlichen Handwerkermarkt bis zum Faschingsumzug.
Kürzlich wurde die mittelalterliche Mühle in Eymet mit viel Herzblut und ehrenamtlichem Einsatz restauriert. Auch ein Café Associatif wurde dort eingerichtet. Das ist ein in vereinsform organisiertes Café.
Die Mitglieder bezahlen einen kleinen jährlichen Beitrag. Und neben dem Café-Betrieb werden auch zahlreiche Veranstaltungen organisiert: vom Basteln für Kinder über spielerischen (Fremd-)Sprachaustausch bis hin zu Kunstausstellungen und Workshops jeglicher Art.
Aber auch die Gemeinde ist nicht untätig, mit vier Veranstaltungssälen, die Vereinen offen stehen bis zum Espace Culturel der mit dessen Benennung «Eden» zum Träumen einlädt. Hier gibt es 3 Mal die Woche Kinofilme sowie regelmäßig Konzerte und Theatervorstellungen. Eine ganze A4-Seite kleingedruckt erhalten wir monatlich von der Gemeinde, mit den Veranstaltungen des folgenden Monats.
Und dann habe ich noch nicht die Nachtmärkte und die Soirée Gourmands sowie die Veranstaltungen bei den Winzern im Sommer erwähnt, die vielerorts im Périgord stattfinden. Dabei isst und trinkt man gemeinsam an langen Tischen und schwingt danach zu lokalen Bands das Tanzbein.
Auch zur Weihnachtszeit ist es im Périgord mit den vielen Veranstaltungen und Weihnachtsmärkten fetlich und gemütlich.
In Eymet gibt es zum Abschluss des Jahres ab 23 Uhr Glühwein und Musik auf dem zentralen Platz. Danach wird ein kleines Feuerwerk vom Burgfried abgefeuert und von begeisterten Zuschauern mit Applaus befeuert.
Zum Anstoßen aufs Neue Jahr lädt die Gemeinde anfangs Januar zu einem gemeinsamen Umtrunk mit Häppchen und einer Rede des Bürgermeisters ein.
Direkt bei lokalen Produzenten und (Kunst-)Handwerkern einkaufen
Vom Honig über den Käse und das Gemüse bis zum Fleisch und Wein – wir kaufen so viel wie möglich bei den lokalen Produzenten ein. Und das tun viele so. Denn damit unterstützt macn nicht nur die lokale Wirtschaft, sondern hat zugleich einen netten Austausch mit den Leuten.
Produzenten vereinen sich auch oft und bieten dann zum Beispiel einmal wöchentlich einen «Saisonkorb» mit lokalen Produkten an. Man kann sich abonnieren und erhält dann die frischen Produkte vom Land.
In Boutiquen vereinen sich oft mehrere (Kunst-)Handwerker. Sie mieten gemeinsam ein Ladenlokal und teilen sich die Miete und die Präsenz vor Ort, während sie alle einen Teil der Ausstellungsfläche mit ihren Erzeugnissen besetzen.
Nachbarschaft
Gute Nachbarschaft ist wichtig und schön. Man schaut aufeinander und hilft, wenn Not am Mann, bzw. der Frau ist.
Auch tauschen wir unter Nachbarn wacker Selbstangebautes aus. Denn alles lässt sich ja oft nicht selber verzehren oder einmachen. Zudem macht so ein kleiner Tausch von Kartoffeln gegen Äpfel oder Zwiebeln gegen Knoblauch ja auch Spaß und bietet Gelegenheit für einen netten Austausch 😊
Nach unserer Ankunft hier im Périgord haben wir einen Willkommens-Apéro für die Nachbarschaft organisiert. Seither treffen wir uns regelmäßig zu einem gemeinsamen Dîner.
Kontroversielle oder schwierige Themen wie die Politik werden dabei tunlichst umgangen, denn so bleibt die Stimmung stets heiter und freundlich. 🌞
Saisonale Unterschiede
Die Touristensaison beginnt im Périgord an Ostern und dauert bis Ende Oktober.
Gerade im Périgord Noir (Region Sarlat), kann es im Sommer so richtig voll werden, während es im Winter mancherorts fast komplett ausgestorben ist: 30 % der Häuser und Wohnungen im Périgord Noir sind Zweitwohnsitze.
Ein extremes Beispiel ist das am Fels gelegene Dorf La Roque-Gageac: ein wahrer Besuchermagnet und im August paddeln dort so viele Kanus im Wasser, dass man nahezu ohne nasse Füße das andere Ufer erreichen könnte. Aber es wohnen aktuell (2025) nur noch gerade 3 (!) Personen ganzjährig in La Roque-Gageac, obwohl der Ort zu den «Plus Beaux Villages de France» gehört.
Der Kontrast zwischen den Saisonen ist im Périgord Noir am stärksten, weil sich dort die meisten Zweitwohnsitze befinden und sich in der Saison am meisten Besucher tummeln.
Aber auch hier (Eymet/Region Bergerac) schließen manche Restaurants und Sehenswürdigkeiten im Winter und wird es stiller. Der Veranstaltungskalender in Eymet füllt jedoch auch im Dezember noch stets eine kleingedruckte A4-Seite und es gibt ein sehr vielseitiges kulturelles Angebot😊.
Fortbewegungsmittel im Périgord
Die Distanzen sind groß und öffentliche Verkehrsmittel genauso dünn gesät wie die Bewohner:innen: denn nur gerade 46 Leute teilen sich im Périgord einen km2.
Es verkehren wohl einige (Schul-)Busse und es gibt auch zwei Eisenbahnlinien, auf denen einige Züge verkehren. Aber das Auto bleibt für die meisten Bewohner unverzichtbar.
Covoiturage, also das gemeinschaftliche Fahren, etwa zur Arbeit oder zu Veranstaltungen, ist sehr beliebt. Dazu stehen in den meisten Orten separate Parkplätze zur Verfügung, wo man sich trifft und abwechslungsweise mit einem anderen Auto gemeinsam weiterfährt.
Die Straßen (insbesondere C-Straßen, also «Routes Communales») in der Dordogne sind oft schmal und manchmal auch nicht in bestem Zustand.
Gefährlich sind jedoch insbesondere die breiteren «Routes Departementales» (D-Straßen), auf denen Unfällte mit tödlichen Folgen leider keine Seltenheit sind: 38 Menschen sind letztes Jahr auf den Straßen des Périgord tödlich verunglückt. Die traurigen Verkehrsstatistiken der Dordogne im Detail findest du hier.
Holz als Wärmequelle
Viele Häuser im Périgord haben keine Zentralheizung. Der Kamin dient dann gemeinsam mit ein paar elektrischen Radiatoren als einzige Wärmequellen.
Holz ist regional verfügbar (45 % der Gesamtoberfläche der Dordogne wird von Wald bedeckt) und günstig. Deshalb tauchen manchmal ganze Dörfer in Rauchschwaden ab und kann man mit dem Auge kaum unterscheiden, ob es sich um Nebel oder Rauch handelt.
In Sachen Feinstaub führen die Kamine die traurige Rangliste an, auch in Städten wie Bordeaux.
Wärmepumpen sind zwar stark im Vormarsch, doch leisten können sich viele diesen Luxus nicht.
Stromversorgung
Immer Mal wieder …. fällt der Strom aus.
Bei uns zum Glück meist nur ganz kurz: manchmal 30 Sekunden, 1 Minute oder 5 bis 10 Minuten. Dies jedoch oft mehrmals hintereinander. Der längste Stromausfall dauerte etwas über 24 Stunden.
Freunde von uns berichten jedoch, dass es schon einmal vorkommen kann, dass sie 2 bis 3 Tage «im Dunkeln sitzen».
Meist tritt der Stromausfall nach einem Unwetter mit starkem Wind auf. Denn die Elektrizitätsleitungen hier auf dem Land verlaufen überirdisch und sind an Holzpfählen befestigt. Da braucht es nicht viel, bis eine Leitung unterbrochen wird😉.
Die kurzen Stromausfälle, wie wir sie manchmal haben, sind jedoch nicht wetterbedingt, sondern haben wohl eher mit dem Elektrizitätsnetz an sich zu tun.
