Begleite mich auf eine Erkundungstour durch die Bastide Molières mit der diplomierten Fremdenführerin Elodie

Im Südwesten Frankreichs gibt es etwa 400 Bastiden, 20 dieser Bastiden befinden sich im Périgord. Zu ihnen gehören beispielsweise Monpazier, Beaumont-du-Périgord, Lalinde, Eymet und eben auch Molières.

Es ist angenehm kühl an diesem Julimorgen, als ich die schmale Straße vom Château de Bannes nach Molières hinauf fahre. Eichenwälder und Wiesen ziehen an mir vorbei und mein Vierbeiner Flip streckt seine Nase neugierig zum Fenster hinaus und lässt seine Ohren im Wind flattern.

Elodie Fremdenführerin Perigord

Eintauchen ins Mittelalter

Die diplomierte Fremdenführerin Elodie von Arts et Cultureshat sich heute speziell für diesen Rundgang durch Molières mit mir Zeit genommen. Ihre Tochter Anaïs ist auch mit dabei. Wie auf allen früheren Rundgängen, die ich in kleinen Gruppen bereits mit ihr und ihrer Kollegin Sandra unternommen habe, katapultiert sie mich mit ihrer unterhaltsamen Erzählkunst direkt in die Welt des Mittelalters.

Vor meinem geistigen Auge befinde ich mich mitten im bunten Treiben dieser einst so geschäftigen Bastide. Damals lebten und arbeiteten hier rund 1.000 Menschen, heute zählt Molières nur noch 320 Einwohner.

Bastiden (abgeleitet vom okzitanischen Wort „Bastir“, was so viel wie „bauen“ bedeutet) wurden zwischen 1230 und 1373 im Südwesten Frankreichs errichtet. Diese oftmals befestigten Orte boten der Landbevölkerung Schutz vor Krieg und Raubüberfällen, die im Zuge der französisch-englischen Konflikte oft stattfanden.

Unterwegs mit Elodie

Molières ist eine englische Bastide aus dem Jahr 1284. Während des Hundertjährigen Krieges zwischen England und Frankreich (1137 bis 1453 ) wurden in Molières Verwüstungen angerichtet, und später während der Hugenottenkriege (1562 bis 1598) aufs Neue.


Bastiden als wirtschaftliche Zentren

Bastiden waren auch wirtschaftliche Zentren und der stets zentrale Marktplatz ihr pochendes Herz. Häuserzeilen mit Arkaden säumen den Marktplatz und die Straßen und Gassen sind in Molières, wie in den meisten Bastiden, schachbrettförmig angeordnet.

Marktplatz Molieres

Gleiche Bedingungen für alle

Alle Familien, die in eine Bastide zogen, erhielten eine gleich große Parzelle Land um ihr Haus zu errichten. In Molières maßen dier Parzellen 8 x 20 Meter. Die Häuser führten auf den Marktplatz hinaus und hinter den Häusern war Platz für einen kleinen Gemüsegarten und die Tiere.

Zwischen den Ockerfarbenen Steinhäusern befinden sich schmale Abstände. Durch sie konnte das Abwasser abgeleitet werden und gleichzeitig dienten sie als Brandschutz. An manchen Fassaden sind so genannte „Corbeaus“ erkennbar: herausragende Steine, auf denen die Latrinen ruhten.

Carreyrou in Molieres
„Carreyrou“:- Fußgängergasse in Molières
mittelalterliches Ladengeschaeft Molieres
Mittelalterliche Fassade eines Ladenlokals: im Mittelalter wurden die Waren in den offenen Fenstern zum Kauf ausgestellt und fand der Handel auf der Straße, und nicht etwa im Laden statt.

Kirche und Unterschlupf in einem

Die Kirche von Molières ist befestigt. Auf diese Weise diente sie zugleich als Gotteshaus und als sicherer Unterschlupf bei kriegerischen Auseinandersetzungen. Es gab einen Wehrgang, einen zweiten Turm und einen geheimen Eingang. Über diesen konnten sich Bürgerinnen und Bürger in Sicherheit bringen, sobald Gefahr drohte. Auch einen Brunnen gab es in der Kirche, sodass ein längerer Aufenthalt dort möglich war, ohne zu verdursten. Der Brunnen ist heute leider nicht mehr sichtbar.

Kirche Molieres von innen
Das Innere der Kirche von Molières
Kirche von Moliers Rueckseite
Auf der Rückseite der Kirche von Molières ist das Fundament der Kirche gut sichtbar
Lavoir Molieres
„Lavoir“ – hier wuschen die Frauen einmal die Woche die Wäsche (in hoffentlich klarerem Wasser;-)
Walnussplantage Moliers
Walnussplantage

Rundgang um die Bastide

Auf lauschigen Naturwegen machen wir einen kurzen Rundgang um Molières. Unterwegs bietet sich ein wunderschöner Blick auf die Bastide und gelangen wir schließlich zurück zur Festung von Molières, beziehungsweise zu seinen Überresten.

Gehwege um Molieres
Lauschige Gehwege im Wald bei Molières
Festungsmauern von Molieres
Ruine der Festung von Molières

Festung von Molières

Die Festung von Molières wurde 1316 für die Beherbergung von Truppen erbaut. Ihr Mauerwerk ist mit seinen zwei Metern sehr dick. Heute sind leider nur noch Überreste der Mauer sowie des ehemaligen Donjons (Wohn- und Wehrturm) erhalten, weil das Geld für die Restauration fehlt.

Kleine Bildergalerie der charmanten Gassen von Molières

Blick auf Molieres
Blick von unterwegs auf Molières

Praktische Informationen:

Molières ist von Lalinde aus in 20 Minuten und von Bergerac und Sarlat aus in je gut einer Dreiviertelstunde erreichbar.
Lageplan Molieres

Führungen mit Elodie und Sandra

Elodie und Sandra sind zwei diplomierte Fremdenführerinnen, die sich auf das Périgord spezialisiert haben. Elodie spricht neben Französisch und Englisch auch perfekt Deutsch. Sie begleitet regelmäßig deutsche Reisegruppen vor Ort und du kannst sie auch für Privatführungen auf Deutsch anfragen.

Das Programm der französischen Führungen von Elodie und Sandra im Sommer (kleine Gruppen bis max. 15 Personen) findest du auf ihrer Facebook-Seite

Weiter stehen ihre Erkundungstouren auch im Veranstaltungskalender von Bergerac

Kontaktinformationen Elodie:
E-Mail: elodie.fleury@artsetcultures.fr
Telefon: +33 6 11 35 58 71
Website: www.artsetcultures.fr

Fremdenführerinnen Perigord Elodie und Sandra